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Der Künstler Hannes Schwarz

 

 

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2014 ist Prof. Hannes Schwarz friedlich eingeschlafen. Wir verneigen uns in tiefer Wertschätzung vor diesem großen Künstler, Denker und Humanisten. Sein Werk bleibt.

Prof. Hannes Schwarz ist mit seinem abgeschlossenen Werk ein anerkannter österreichischer Maler des 20. Jahrhunderts. Neben der Malerei befasste er sich auch intensiv mit Musik und Philosophie. Als Lehrer an der Hauptschule sowie danach am Gymnasium prägte er durch sein umfangreiches Fachwissen, seine pädagogischen Fähigkeiten und seine geistige Einstellung eine große Zahl junger Menschen im Raum Weiz.


 

1945, mit Ende des Zweiten Weltkriegs, beginnen für Hannes Schwarz Jahre der intensiven Aufarbeitung der Ideologisierung durch die Nationalsozialisten. In seinem Streben nach geistiger Neuorientierung beschäftigt er sich unter anderem eingehend mit der Philosophie des Existentialismus, deren Einfluss auf sein Denken von großer Nachhaltigkeit sein wird. In künstlerischer Hinsicht erfährt er wesentliche Anregungen durch seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Anton Kolig, Franz Marc sowie, in weiterer Folge, von Wassily Kandinsky und Paul Klee, wenngleich er bereits damals „…diese Einflüsse in eine eigene Bildsprache übersetzt.“ (Skreiner, S.11)

Ab 1959 entwickelt Hannes Schwarz eine ganz eigene Technik der Materialdrucke, wobei er sogenannte Objets trouvés, zufällig gefundene Gegenstände wie Hölzer, Lederstücke, gelochte Planen, zu einer höchst präzise gestalteten Gesamtkomposition zusammenfügt.

Um 1963 taucht im malerischen Werk von Hannes Schwarz der menschliche Körper auf, zunächst in Form von Figuren, die mit expressivem Pinselstrich groß und bedrohlich ins Bild gesetzt sind: „Mit aller Härte und Schonungslosigkeit wird plötzlich die menschliche Existenz als solche dargelegt und bloßgestellt.“ (Rychlik, S.39)

 

Im Zeitraum zwischen 1966 und 1968 malt der Künstler eine ganze Reihe von Bildern, in denen grausam deformierte Körper hinter - oder auch vor - markanten schwarzen Gitterstäben erscheinen. Sie können als Ausdruck seiner schonungslosen Abrechnung mit dem Nationalsozialismus - und darüber hinaus mit allen Diktaturen - verstanden werden; aber sie reflektieren auch das Bewusstsein der Begrenztheit der menschlichen Existenz an sich: „Das menschliche Leid, die Geschundenheit, die Folter, das in sich Beschlossene, Eingekerkerte, die Enge des Bewusstseins und der Erkenntnisfähigkeit verbinden sich mit einer existentialistischen Vorstellung der Geworfenheit in das Nichts und werden zum Spiegel menschlicher Todesverfallenheit entwickelt.“ (Skreiner, S. 24)

In den frühen 1970er-Jahren entsteht eine Reihe von Bildern mit Tischen und menschlichen Figuren, wobei diese Figuren an den Rand oder fast ganz aus dem Bild gedrängt werden und oft großen leeren Flächen gegenüberstehen. Indem der Künstler somit auf eine ausgewogene Komposition verzichtet, lässt er „ein Element entglittener Übersicht, disparater Fragmentiertheit [zu], … was den inhaltlichen Ernst seiner Figurationen endgültig ins Existentialistische steigert.“ (Rychlik, S.44) Aus diesen Werken spricht die Einsamkeit und Verlorenheit des von der Dingwelt bedrohten Individuums.

Mitte der 1970er-Jahre malt und zeichnet Hannes Schwarz Stühle oder Tische, auf denen Tücher abgelegt sind. Die Figuren sind gänzlich verschwunden, lediglich Objekte - der Stuhl, das Tuch - erinnern noch an ihre Existenz: Es sind schweigende Relikte des Menschen, der in seiner Abwesenheit dennoch spürbar bleibt. Nach der Darstellung von Folter und Leid der Eingekerkerten in den Gitterbildern bringt der Künstler nun die Stille des „Danach“ zum Ausdruck.

Anfang der 1980er-Jahre unternimmt Hannes Schwarz mehrere Spanienreisen, die eine tiefgreifende Veränderung in seinem Schaffen bewirken. In der Weite der andalusischen Landschaft mit ihren sanften Hügeln und vereinzelten Baumgruppen empfindet der Künstler „eine fast kosmische Gelassenheit“ (Zitat Hannes Schwarz), einen Zustand innerer Ruhe, den er in der Folge in sehr eigenständigen Landschaftsbildern zum Ausdruck bringt. Er malt „keine Abbildungen spanischer Landschaften…, er verdichtet sein Erlebnis des Landschaftlichen zu strengen Kompositionen, in denen Gelände, Hügel, Wald … wie Erscheinungen auftreten.“ (Skreiner, S.50/51). Erscheinungen, die als Veranschaulichung der ausgesetzten menschlichen Existenz zu lesen sind. Dabei wird die Abstraktion und formale Reduktion immer weiter geführt, bis zu einer „… radikalen Vereinfachung dessen, was wir unter Landschaft zu akzeptieren vermögen.“ (Skreiner, S.50/51)

 

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