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Ausstellung „Rückzug an den Rand des Schweigens“ - Zbyněk Sekal und Hannes Schwarz

Dr. Mag. Reingard Schwarz

Am 19. April 2018 wird im Hannes-Schwarz-Zentrum eine Ausstellung eröffnet, die es erlaubt, sich mit Werken zweier Künstler auseinanderzusetzen, die einander zwar nie begegnet sind, deren Biografien sich aber in eigenartiger Weise berühren und - in gewissen Aspekten - fast „ergänzen“: Zbyněk Sekal (geboren 1923 in Prag, gestorben 1998 in Wien), heute ein in der Tschechischen Republik hoch angesehener Bildhauer und Objektkünstler, dessen Werke im tschechischen Nationalmuseum prominent vertreten sind, und der Maler Hannes Schwarz (geboren 1926 in Anger, gestorben 2014 in Weiz).

Schwarz maturierte an einer nationalsozialistischen Eliteschule, erfuhr sodann als junger Soldat ganz unmittelbar die Brutalität des Krieges und litt danach zeitlebens daran, sich der Seite der Verursacher dieses Grauens zurechnen zu müssen, also in gewisser Weise mit Schuld daran zu tragen. Sekal hingegen zählt zu den Opfern des Naziregimes, denn er wurde 1941 aus politischen Gründen verhaftet und war bis 1945 in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Mauthausen interniert. Knapp 25 Jahre später, nach dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR, sah er sich erneut mit politischer Repression konfrontiert und emigrierte über Berlin nach Wien.

Diese existentiellen Grenzerfahrungen waren für beide Künstler zweifellos sehr prägend und haben zu Haltungen geführt, an denen sich gewisse Parallelen erkennen lassen: So etwa ihre Introvertiertheit, ihr bewusster Rückzug an die Peripherie, die für Sekal die Abgeschiedenheit seines Wiener Ateliers und für Schwarz eine steirische Kleinstadt war: “Ich male am Rande des Schweigens und der Leere, am Rande der Gesellschaft und der Vernunft“, schrieb Letzterer etwa in einer Notiz vom Februar 1992, und Sekal reflektierte in seinen berührenden Tagebüchern über sein Leben in innerer Emigration.

Ein weiterer Berührungspunkt zwischen den beiden Künstlerpersönlichkeiten ist ihre große Affinität zu Franz Kafka, dessen Werk Sekal ins Tschechische übersetzte und dem Schwarz etwa den Zyklus „Ein Käfig geht einen Vogel suchen“ widmete, der im Hannes-Schwarz-Zentrum ausgestellt ist. Es ist auch ein Zitat aus einem von Kafkas Tagebüchern, das Schwarz fast beschwörend seinem Schaffen voranstellte: Die Sehnsucht danach, dass dem Menschen das „Heraustreten aus der Totschlägerreihe“ gelingen möge.

Als sensibel und hermetisch wurde das Werk der beiden bezeichnet, bestimmt vom Streben nach größtmöglicher Reduktion und Konzentration. In seinen Materialbildern und Objekten setzt Sekal zufällig Gefundenes - Hölzer, Scherben, Nägel, Bleche, allesamt „ausgemusterte Zeugnisse menschlicher Existenz“ (Thomas Mark) - akribisch zu ästhetischen Ordnungsgefügen zusammen und verleiht ihnen so eine neue, fast sakral anmutende Bedeutung: In offenen, durchlässigen Schreinen aus hölzernen Stäben etwa erinnern diese alltäglichen Gegenstände an Reliquien, geistig aufgeladene Überreste von Vergangenem. Bei Schwarz hingegen sind meist nur mehr Abdrücke des Materiellen vorhanden (so zum Beispiel in seinen Materialdrucken), Spuren des Vergänglichen, oftmals an den äußersten Bildrand gerückte Metaphern der Leere. Einerseits das Material selbst und anderseits die Spuren, die es hinterlässt - auch hierin ist eine Komplementarität zwischen den beiden Künstlern feststellbar.

Die Werke von Zbyněk Sekal und Hannes Schwarz erschließen sich Betrachter/innen möglicherweise nicht sofort, sondern bedürfen einer eingehenden Auseinandersetzung. Gelegenheit dazu wird geboten im Hannes-Schwarz-Zentrum Weiz, Eduard- Richter-Gasse 15, vom 19.4. (Vernissage 19.00 Uhr) bis 16.5. 2018.